Die Ouvertüre ist vorbei
Der erste Tag ist gelaufen. Ich bin einigermassen geschafft. Vor allem, weil neben allen Anfragen, die ich nach Möglichkeit mindestens mit einer baldigen Reaktion “belohnen” wollte, ausgerechnet der heutige Tag ein mehr als normaler Arbeitstag war. So nebenbei. Ich bin müde. Aber zufrieden. Die Beurteilung der Textvorschläge ist so zweischneidig, wie ich es vermutet habe: Dadurch, dass wir uns das Ja oder Nein vorbehalten, enttäuschen wir bestimmt viele – gerade jene, die eigene Texte präsentieren. Das sollte aber nicht so rüberkommen. Denn wir wollen nicht einfach nur elitär sein. Wir möchten einfach mit allen Autoren zusammen den Leser im Blick haben, der, wann immer er herfindet, davon ausgehen darf, dass er hier Blog-Artikel findet, die er sonst im Netz in dieser Dichte nicht antrifft. Ich bin mir an diesem ersten Tag ein wenig wie in einer Orchesterprobe vorgekommen. Eine Art Generalprobe hinter Vorhängen, in der ich aber bereits spüren konnte, wie wichtig es sein wird, zu kommunizieren und damit Wertschätzung zu zeigen. Nur so kriegen wir ein sich ständig erweiterndes Orchester zusammen, das keine Kakophonie spielt, sondern sein Repertoire ständig erweitert.
Niemand von uns bloggt immer oder auch nur meistens so, wie es in dieser Bibliothek abgebildet wird. Aber jeder von uns liebt gut zu lesende Texte. Daran sollten wir immer denken – und niemand schliesst für irgend jemanden das Netz, schliesst Personen gewollt aus. Wir versuchen vielmehr, unsere Gründe wenigstens in Ansätzen zu erklären, für ein Nein wie für ein Ja, und sind uns bewusst, dass wir darin super-subjektiv sind und auch den Goodwill aller Angesprochenen brauchen. Und darum freue ich mich besonders über jene unter Euch, die sich für das Feedback bedanken und ein Nein ausdrücklich akzeptieren können. Das durfte ich heute gleich mehrfach erleben. Und ich bin sicher, dass wir mit der Zeit auch zeigen können, dass wir gut nicht mit “perfekt”, “fertig” oder gar “fehlerfrei” gleichsetzen. Kritische Geister werden jetzt schon einwenden, dass der Beweis schon erbracht sei. Ja und? Genau das ist eine Bibliothek: Vielfalt unter gewissen Prämissen, für die es Bibliothekare gibt.
Dieses Projekt wird sich langsam entwickeln. Und wir werden ihm Sorge tragen. Das bedeutet in keiner Weise Abschottung oder Elitarismus. Ich denke, dass schon jetzt die Auswahl der Texte eine respktable Breite ergibt, und die wird noch grösser werden, je mehr wir alle unsere Leser motivieren können, ihre eigene Sicht einzubringen. Und uns selbst auch als Leser mit Empfehlungen anzubieten.
Ich danke allen, die uns darin vertrauen, dass wir für das Projekt das Beste wollen. Wir wollen jeden einzelnen, der das Lesen und das Schreiben liebt, willkommen heissen und mit seinen Anregungen und Empfehlungen ernst nehmen.
Und ganz besonders danke ich den arrivierten Bloggern, die ihr Geld auch professionell mit Schreiben verdienen (Sie sind bereits vertreten, als Journalisten, Buchautoren, Essayisten etc.), dass sie bereits in dieser frühen Phase unserem Projekt und der Lauterkeit unserer Absichten Vertrauen entgegen bringen – und sich nicht scheuen, mit einem eigenen Text neben einer vielleicht noch wenig bekannten Kollegin zu stehen: Mir ist die Förderung von Talent zum Schreiben, ja nur schon die Stärkung der Freude am texten und Lesen für möglichst viele Menschen ein grosses Anliegen.
Danke, tausend Dank für die Unterstützung.
Bild: <a href=”http://caro-art.ch/wilercarmen/” />Caro Nadler, L’Ouverture</a>


14. Januar 2009 um 19:43 Uhr
…angestuppst von thinkabout…dessen “Schreibe” ich schon lange kenne, lese und schätze – hier angekommen:
Das ist wie ein Kindheitstraum…einmal in einer groooßen Bibliothek eingeschlossen…vergessen…werden… am Abend…ungehindert schmökern und sich vertiefen –
wunderbar!
Ich stell mir nun ganz vorsichtig einen bequemen Sessel hier rein, knipse eine Lampe an….und werde immer mal da sein.
Janna* grüßt alle Beteiligten
14. Januar 2009 um 20:00 Uhr
Liebe Janna,
herzlich willkommen!
Genau dies ist die Intention unserer Blogbibliothek: hereinkommen, hinsitzen, den einen oder anderen Text herausziehen, mit Schmökern beginnen, die Zeit und die Welt da draussen ein bisschen vergessen – ohne seine Blog-Favs abklappern zu müssen. Wenn wir das hier erreicht haben – dann freut mich das ungemein!
Liebe Grüsse Dir und viel Kurzweil hier,
Caro