Blogger müssen auch wieder wirklich Leser werden
Ich werde nun bewusst einmal ein bisschen provokativ:
Ein Hauptproblem der Bloggerszene ist, dass sie furchtbar selbstbezogen ist:
Die meisten Nennungen anderer Blogs in eigenen Artikeln, die meisten Verlinkungen in Blogrolls tragen als Kern ihrer Motivation die Erwartung in sich, dass die Beachtung am Ende auf einen selbst zurückfällt. Link erzeugt Gegenlink. Grundsätzlich ist dagegen nichts zu sagen. Ja, man kann konstatieren: So funktionieren Blogs, so ist die vernetzte Welt der Blogs entstanden, so verbreiten sich Neuigkeiten aus der Bloggerszene im Netz. Was wahr ist und Teil einer faszinierenden Dynamik, ist gleichzeitig das Problem: Die Szene verspinnt sich zum engen, nach innen gerichteten Kokon.
Dass hier in dieser Phase vor allem eigene Texte vorgeschlagen werden, ist völlig okay. Auch baut dieses Portal ja durchaus auch auf den Möglichkeiten und der Motivation der Verlinkung auf. Genau so wie die ganze Szene braucht die Blogbibliothek aber eine Öffnung:
Auch Blogger müssen sich wieder mehr als Leser begreifen, müssen guten Text achten und fördern (und an neuen Orten suchen), auch ohne Eigeninteresse – und sich so auch im eigenen Schreiben wieder mehr befreien. Wie viel Energie verbrauchen wir selbst, nur um in unserem eigenen Blog zehn Leser mehr zu bekommen? Wann empfinden wir wirklich Befriedigung beim Schreiben?
Ich hoffe sehr, dass sich die Bloggerinnen und Blogger der Blogbibliothek auch wieder mehr selbst als Leser erfahren, und erkennen, dass eine Hinwendung zu einem Text als einfacher Leser eine sehr edle, feine Sache für die eigene Psychohygiene ist – und dann hinzustehen und zu sagen:
“Ich, der Meier Max, finde diesen Text von Frau Wunderlich wunderbar.”
Darin, ein gutes Buch zu empfehlen, einen Text ans Licht zu bringen, liegt eine Tat, die unsere Welt feinsinniger, reicher macht. Und auch wenn es nur ein kleinster Teil der Welt ist, so ist es doch jener, in dem wir überhaupt die Möglichkeit haben, unsere Erfahrungen zu teilen.
So können Blogger, die selbst wieder zu Lesern werden, mithelfen, die enger gewordene Welt der Blogs wieder zu weiten.


14. Januar 2009 um 08:47 Uhr
Ich kenne die Versuchung, irgendwo nur zu kommentieren, um eine Spur zum eigenen Blog zu hinterlassen. Ich hab schnell wieder damit aufgehört weil es zu viel Zeit braucht und, wie Du treffend sagst, der Psychohygiene nicht so förderlich ist. Heute schreibe ich nur noch, wenn mir das Thema am Herzen liegt. Ob in Kommentaren oder Beiträgen.
Wenn man sein Innerstes in einer qualitativ ansprechenden Form zum Ausdruck bringt, dann findet es automatisch Menschen, die davon berührt werden und damit Leser und Resonanz. Das Wachstum ist langsam, aber stetig. Dafür braucht es kein Pushen durch Links und Kommentare, obwohl solche sehr bereichernd sein können, wenn sie echt gemeint und keine PR sind.
Bisher empfand ich es als schwierig, im Netz gute Texte zu finden. Die Blogbibliothek finde ich daher ein wundervolles Instrument dafür. Und ich geniesse es, wieder zu lesen. Das hat mir richtig gefehlt.
Das weitet meine Welt und meine Gedanken. Wenn ich dann noch so weit kommen kann, einen gelesenen Text für die Bibliothek zu empfehlen, dann ist das doppelt schön. Es ist doch ein wunderbares Gefühl, für andere und in anderen etwas zum Blühen zu bringen!
14. Januar 2009 um 09:29 Uhr
ich danke für die Einschätzung, ich würde bei anderen Blogs kommentieren, um meinen Blog zu pushen.

Im Ernst: wenn man mal bei beizzweinull vorbeigeht, z.B., kann man sehen, dass du den Satz ein bisschen schnell hingeschrieben hast – kann ja passieren.
14. Januar 2009 um 10:03 Uhr
Bruder Bernhard: Hat hier jemand Dich gemeint?
14. Januar 2009 um 10:45 Uhr
@maria: warum mich? habe ich gebellt?
14. Januar 2009 um 11:53 Uhr
@Bruder Bernhard: Nein, keineswegs! Du wolltest ja nur Werbung machen und einen echten Gegenbeweis für obige Statements bringen
Und die Diskussionskultur dort ist wirklich gut!
- hier übrigens auch!
14. Januar 2009 um 13:31 Uhr
Und ich unterstelle niemandem irgendwas. Ich denke, wer den Eintrag liest, fühlt sich angesprochen, oder eben nicht. Dass es beides gibt, ist klar. Und die beizzweinull wird mich auch wieder sehen, und Bruder Bernhard lese ich gern, warum auch immer er schreiben mag – und unter welchem Link –
. Auch das gibt es.
15. Januar 2009 um 10:51 Uhr
[...] klingt recht idealistisch, wenn Thinkabout dagegen anschreibt: “Auch Blogger müssen sich wieder mehr als Leser begreifen, müssen guten Text [...]