Die Angst vor dem kreativen Schreib-Gau
Der Mitarbeiter in der Redaktion versucht, die Fülle der neuen Informationen in News zu wandeln und entsprechend aufzubereiten. Manchmal hat er das Gefühl, der Takt würde immer rasender und die Flut des Materials würde immer riesiger, und er fragt sich, wie er heute an den Punkt kommen soll, der gestern das Ziel war, für einen kurzen Moment, bevor wieder alle Zähler auf Null standen und alles von vorn begann. Und das wird jeden Tag so sein und das Rad wird sich noch schneller drehen…
Der Journalist, dem das Thema zugeteilt oder bewilligt wird, sichtet sein Material, versucht eine erste Gliederung – und er fragt sich plötzlich: Was ist, wenn ich die unzähligen Fäden nicht zu einem Strang binden kann, wenn ich die Geschichte nicht zu Ende bringe? Dieser Zweifel ist oft da, aber es scheint ihm, er würde sich hartnäckiger melden in letzter Zeit und greifbarer werden, wie ein Gespenst, das zum Ungeheuer wird…
Der Blogger sitzt vor dem Computer. Dieser verlangt noch einen Text für heute. Denn unter dem heutigen Datum steht noch kein Eintrag. Und er, der frei ist von redaktionellen Zwängen und sich diese selbst auferlegt – ihm kommt “nichts in den Sinn”, obwohl sein Kopf voll ist von Gedanken. Nichts Greifbares, viel Belangloses, nichts Konkretes, und was er einfängt, zerfällt zu Staub. Manchmal fragt er sich: Was ist, wenn mir nichts mehr einfällt? Und was, wenn ich nicht mehr gelesen werde? Was, wenn ich selbst mich überführen muss, dass ich nicht mehr schreiben kann?
Wie viele Texte, die wir lesen, mögen aus oder trotz solchen Ängsten geschrieben worden sein? Es liegt viel Schweiss, Mühsal und Zweifel zwischen den Zeilen, die wir tagtäglich lesen. Und vielleicht hat der Autor mit nichts so zu kämpfen gehabt wie mit der Kunst, uns genau dies nicht wirklich spüren zu lassen.
Der Artikel erscheint zeitgleich auf thinkabout.ch. .


12. Januar 2010 um 13:54 Uhr
Genau diese, für mich negative Erfahrung machte ich die beiden Male, als ich auf meinem Blog einen Adventskalender gestaltete.
Schreibzwang, weniger hart gesagt: Schreiben im Auftrag, woher dieser auch immer kommen mag, erzeugt dies.
Ich schreibe besser, freier, ehrlicher und wesentlicher wenn ich nur dann schreibe, wenn ich wirklich was zu sagen habe. Dann, wenn etwas von innen heraus gesagt werden möchte.
Ich bin darum sehr froh, dies, so gern ich es tue und so sehr ich es zum Überleben brauche, nicht im Auftrag oder als Beruf tun zu müssen. Auch wenn mein privates Tagebuch oft beinah druckreif wäre.
Und ich habe darum grössten Respekt vor Menschen, die beruflich schreiben.