Gut, haben wir diese Situation zu so frühem Zeitpunkt und in einer guten, ruhigen Atmosphäre.
Ein Autor hat uns einen eigenen Text vorgeschlagen, den ich abgelehnt habe. Dabei habe ich dies mit ein paar Sätzen begründet, wobei ich bezüglich der Person des Schreibenden anregte, mehr die Ich-Form als die man-Form zu benutzen.
Der Autor nahm dies zum Anlass, einen Kommentar zu verfassen, in dem er den Mail-Verkehr zwischen uns kopierte, eine Meinung eines Freundes beifügte und zum Schluss eine öffentliche Diskussion darüber in seinem Blog wünschte, indem er den Kommentar mit der Frage schloss: Und was meinen Sie, liebe LeserInnen und Leser.
Der Kommentar ist sehr höflich und völlig neutral abgefasst und lässt mich in keiner Weise vermuten, der Autor wäre besonders verärgert über meine Ansicht, zumal die Zweitmeinung des Freundes durchaus in eine ähnliche Richtung geht. Er sieht ganz offensichtlich einfach die Gelegenheit, ein ihm dringendes Problem seines Schreibens mit uns allen diskutieren zu können. Hier meine Stellungnahme zu diesem Problemkreis ganz allgemein:
Wir sind keine literarische Schreibwerkstatt. Die Bereitschaft, die Beweggründe für eine Ablehnung eines Textes zu kommunizieren, hat mit dem Respekt vor dem Werk eines Verfassers oder dem Engagement einer Person, die sich die Mühe macht, Empfehlungen zu geben, zu tun. Es ist nicht die Einladung zu einem Diskurs über die Meinung. Dafür fehlt schlicht die Zeit.
Sollte sich jemand persönlich betroffen fühlen, weil ich oder einer meiner Kollegen eine unangemessene Formulierung wähle, so darf er mir das gerne zum Vorwurf machen und nochmals entsprechend schreiben.
Im hier geschilderten Fall wurde aus einem Mail zitiert, mit dem ich die Ablehnung begründet habe. Weiter wird in diesem Kommentar eine Person aus einem zweiten Mail wortwörtlich zitiert, ohne dass ich weiss, ob dies im Sinn dieser Person ist. Ich habe keine Lust, erst nachzufragen, ob dem so wäre. Aber die Veröffentlichung hier geht auch aus einem weiteren Grund ganz prinzipiell nicht:
Wenn wir hier die Veröffentlichung von Mails dulden, mag es in diesem Fall auch vom User gewünscht werden – so darf sich jeder weitere Benutzer des Portals fragen, wo denn die Schmerzgrenze für uns liegen möge, um einen Austausch per Mail, den er mit uns führt, unsererseits offen zu legen. Ich habe keinerlei Problem damit, zu meinen Beurteilungen zu stehen – und auch nicht zur Art, wie ich sie formuliere. Die Reflexion über das eigene Schreiben muss aber jeder Blogger mit seinen Lesern auf seinem Blog anstreben, wenn er eine solche denn öffentlich führen will.
Wie ich sehe, hat der Autor genau das getan und seinen als Kommentar verfassten Text schon in seinem Blog veröffentlicht. Für mich ist das – in meiner “öffentlichen” Funktion, in der ich über die Aufnahme von Artikeln entscheide – kein Problem. Bei privatem Mailverkehr sieht das ganz anders aus, aber ich gehe mal davon aus, dass dies auch dem Autor bewusst ist. Wer uns an und für die Blogbibliothek schreibt, an welche Mailadresse auch immer, darf sicher sein, dass seine Botschaften nicht in der Öffentlichkeit landen.
Wenn die Auseinandersetzung mit Blogtexten zu Diskussionen auf den einzelnen Blogs führen, dann ist das eine mir durchaus willkommene Nebenwirkung dieser Initiative. Man mag da Fragen nach der richtigen Form stellen, Aufbau und Dramaturgie von Geschichten etc. diskutieren – oder dafür Schreibwerkstätten gründen oder besuchen. Dies ist alles in Ordnung, aber nicht der Sinn und die Aufgabe dieses Portals. Hier werden Texte ausgewählt, nicht redigiert, veröffentlicht, gelesen, oder gerne vor Ort kommentiert. Dort freuen sich die einzelnen Autoren auch über neues Lob oder anregende Kritik. Wir wollen nur Mittler sein – und im Einzelfall allenfalls eine Anregung geben oder einen Hintergrund erhellen, der zu einem ablehnenden Urteil führte. Und damit Respekt zeigen.
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Nachbemerkung:
Die Absicht, Ablehnungen begründen zu wollen, beruht vor allem darauf, dass wir den Blogscouts ein Gefühl dafür gebenn wollen, was wir denn suchen. Wenn wir nur ablehnen, verlieren diese einfach die Lust. Wir sind davon ausgegangen, dass mehr “fremde” Texte vorgeschlagen werden, statt Eigenproduktionen. Ganz offensichtlich verstehen sich die meisten Blogger mehr als Schreibende denn als Leser angesprochen, und letztere, die nur lesen, sind noch ein wenig zurückhaltend. Das wird sich aber sicher noch geben und dazu führen, dass wir bei hohem Aufkommen von Anträgen Fremd-Empfehlungen zuerst beurteilen können. Um so schöner wird es für Blogger sein, wenn sie vielleicht auf diesem Weg von neuen LeserInnen des eigenen Portals erfahren, oder von bekannten unterstützt werden – Voraussetzung aber soll immer eine gewisse Qualität des Textes sein. Und diese Praxis wird auch dazu führen, dass schon gelistete Blogs von mehr Lesern nach weiteren Perlen durchsucht werden – denn aus jedem Blog werden Empfehlungen von allen Leserinnen und Lesern geprüft.