Was ist ein guter Blog-Text?

Wenn man die Blogbibliothek erstmals besucht und sich in die begleitenden Texte und Erklärungen “einliest”, dann mag man vielleicht den Eindruck bekommen, wir würden hier “fertige Literatur” suchen. Abgesehen davon, dass es dafür Portale wie LITBLOGS gibt, so greift dies aus einem anderen Grund zu kurz:

Wir glauben, dass Blogs sich dadurch auszeichnen, dass sie reales Leben abbilden, weil sie Texte enthalten, die oft sehr unmittelbar, spontan entstehen. Und wenn etablierte Medien den Schrott beklagen, der in Blogs geschrieben steht, dann halten wir dem entgegen, dass das Medium Blog es möglich macht, dass Menschen ein berührendes Bild aus Ihrem Leben niederschreiben können, die ohne Blogs nie gelesen würden. Es gibt die Blog-Literatur der noch unentdeckten Schreibtalente, der Literaten auf dem Sprung – und es gibt die Texte des Mannes und der Frau nebenan, die einfach erzählen. Mit ebenso einfachen Worten, ohne jeglichen Drang zu glänzen, und doch eingehend und einnehmend. Diese Vielfalt ist eine absolute Besonderheit der Bloglandschaft, die wir abbilden wollen, mit Ihrer Hilfe. Auch einfach formulierte Texte können so viel Atmosphäre haben, dass man den Menschen dahinter spürt. Und mehr als Kaffeeklatsch haben wir alle zu erzählen.

Dass es mit diesem Spektrum noch schwieriger ist, eine Linie bei Auswahl oder Ablehnung zu finden, liegt auf der Hand. Es darf jederzeit diskutiert und kritisiert werden, so viel ist klar. Und mit jeder “Knacknuss”, die uns aufgegeben wird, werden wir an Sicherheit und Kriterien gewinnen.

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Texte vorschlagen für die etwas andere Art Blogroll

Es ist ja nicht so, dass ich in viereinhalb Jahren eigenem Bloggen nicht an mir selbst hätte feststellen können, wie sehr man als Blogger dazu neigt, sich immer ausschliesslicher mit sich selbst zu beschäftigen. Die Möglichkeiten, sich in Blognetzwerken zu verbreiten, Newsletter anbieten, Stöckchen werfen, kommentieren, was das Zeug hält und vor allem wo das Zeug auch was bringt – man kann sich problemlos als eine Art Blogverleger und Eigenagent im Nirwana der scheinbaren eigenen Wertigkeit verlieren. Wobei der Aufwand pro hundert Leser enorm ist. Und sind sie dann mal da, die Leser, dann muss auch noch der Content dauerhaft stimmen. Dummerweise.

Mit anderen Worten: Bloggen ist nicht einfach. Zumindest dann, wenn man es sich zu kompliziert macht und die Energien am falschen Ort verpuffen. Dabei gibt es sehr wohl Blogger, die ihre Blogroll nicht nur als Gefälligkeitsliste für Freunde verstehen, sondern sich bewusst sind, dass sie mit ihrer Bloglinkliste eine ganze Menge über ihre eigenen Vorstellungen vom Bloggen aussagen. Und damit eine eigene Visitenkarte abgeben. Nicht selten steigt mein Interesse an einem Blog durch das Studium der Blogroll. Und wer mir eine Perle erschlossen hat, den vergesse ich nicht so schnell wieder.

Die Möglichkeit der Blogbibliothek (BB), dass in ihr Texte vorgeschlagen werden können, und das Verzeichnis der Blogscouts, auf dem man deren Empfehlungen nachfragen kann, stellt als System eine Art “Textroll-Community” dar: Erstmals können Blogger UND Leser auf einem zentralen Portal mit eigenen Empfehlungen eine Art eigene Textroll entstehen lassen.

Bis jetzt ist dieser Effekt noch nicht wirklich verstanden und angenommen worden. Blogger haben noch nicht begriffen, dass von ihnen vorgeschlagene fremde Texte sehr wohl auch Eigenwerbung bedeuten können, und die “reinen” Leser sind auch hier die eher scheuen Teilnehmer, die sich nicht regen, so lange sie nicht wirklich heimisch sind (wenn überhaupt, und ob Männlein oder Weiblein). Hier aber wollen wir Ihnen die Möglichkeit bieten, einmal selbst Einfluss zu nehmen. So offen oder anonym, wie es Ihnen entspricht, aber mit direktem Einfluss auf den Inhalt.

Und wir? Machen uns Gedanken, wie wir das noch besser kommunizieren können. Indem wir den Button “Formular” durch “Texte vorschlagen” austauschen. Wäre mein Vorschlag, den ich aus Anregungen aus dem Nutzerkreis aufgreife. Wir werden sehen.

Wir haben ja Zeit. Da wartet keine Deadline mit Besucherlimiten, kein Mindestziel an Besucherzahlen. Nur ein Ziel bleibt immer: Ein immer attraktiveres Angebot zu entwickeln.

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Echo: “Schaut Euch doch einfach mal um”

Was unsere Kapazitäten definitiv übersteigt:

“Schaut Euch doch einfach mal nach Lust und Laune auf meinem Blog um.  Mein neuester Eintrag trägt den Titel ‘…’.”
Oder so ähnlich.

Sorry, das übersteigt einfach unsere Kapazitäten. Und ehrlich: Wenn Ihr nicht gerade Euer eigenes Blog vorschlägt, sondern auch mal einen Text, den ihr als Leser kennen lernt, dann werdet Ihr selbst sehen, dass es sehr viel einfacher ist, einen einzelnen Text zu beurteilen, als ein ganzes Blog. Und genau dies ist auch der Grund, warum Blogs hier durch einzelne Texte für sich sprechen sollen – und damit sehr viele Blogs ein Beispiel dafür liefern können, dass gute Texte oft dort zu finden sind, wo man selbst sich nie in die Tiefen des Blogs hinein gelesen hätte.

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Google von der BB ausschliessen?

Auf unserer Blogbibliothek bilden wir ja Texte aus Blogs ein zweites mal mit dem Einverständnis des Autors und allenfalls anderer Rechteinhaber ab; ganz konsequent und hartnäckig. Dadurch sind die Inhalte logischerweise auch zwei mal im Internet verfügbar; nämlich an der Quelle und hier in der BB. Dass das nicht nur Gutes bringen kann, schilderten mittlerweile schon einige Leute, darunter auch Soeren vom Gemeinschaftsblog Endlosrekursion. Denn die Suchmaschinen – allen voran Google – entdecken dadurch doppelten Inhalt, was in der Regel dazu führt, dass eine der beiden Seiten durch Google “abgestraft” wird. Das bedeutet nichts anderes, als dass Google einer der beiden Seiten weniger Wert beimisst und sie bei einer relevanten Suche entsprechend später in den Resultaten listet. Soeren vermutet, dass die BB aufgrund ihrer Struktur eher den höheren oder besseren Wert bei Google bekommen würde. Deswegen schlägt er eine Diskussion vor, in der den Ausschluss von Google und andern Suchmaschinen besprochen und allenfalls beschlossen und umgesetzt wird.

Aus meiner Sicht ist die Feststellung von Soeren richtig und sie verdient, entsprechend beachtet zu werden. Denn schliesslich wollen wir hier Blogger supporten und nicht via Google und Konsorten bestrafen. Wir haben das heute zu Dritt besprochen und sind der Meinung, dass wir die Herausforderung hier besprechen sollten. Wir wollen aber nicht eine Grundsatzdiskussion, die gibt es nämlich schon zu Hauf da draussen im Netz, sondern möchten mit drei konkreten Alternativen die Diskussion beginnen:

  • 1. Möglichkeit Wir lassen alles, wie es zur Zeit ist. Die Suchmaschinen dürfen alle Seiten der BB indexieren und entsprechend in den Suchresultaten listen. Alle Links auf die Blogs bleiben erhalten, die ja schliesslich auch zur “Wertbildung” bei Google beitragen.
  • 2. Möglichkeit Keine Suchmaschine bekommt die Erlaubnis, unsere Seiten zu indexieren. Dadurch verhindern wir, dass die Suchmaschinen Inhalte doppelt finden und sie allenfalls unterschiedlich be- und verwerten, dafür gehen aber alle Links verloren und ausserdem sind auch die Meta-Informationen zu den Blogs und Autoren bei Google und Konsorten nicht mehr auffindbar. Weiter würden Suchende auch die BB als solche nicht mehr über Suchmaschinen finden.
  • 3. Möglichkeit Sämtliche Suchmaschinen dürfen alle Seiten der BB indexieren und verwerten, mit der Ausnahme des Verzeichnisses /single/. Ausschliesslich dort werden die Volltext-Beiträge angezeigt. Dies würde bedeuten, dass sämtliche Informationen über die gelisteten Blogs und Autoren hier in der BB durch die Suchmaschinen gefunden und angezeigt werden, die Volltexte jedoch nicht. Also bloss noch die Anleser, wie sie beispielsweise auf der Startseite zu finden sind.

Kurt, Caro und ich favorisieren ganz klar die 3. Möglichkeit, weil sie wohl am ehesten allen Beteiligten einen Dienst erweisen würde. Dadurch blieben auch alle Links zu den Blogs erhalten, ausser denjenigen, die am Ende einer Volltextseite angezeigt werden. Wichtig scheint mir, dass wir diese Variante konsequent für alle Suchmaschinen (die sich an die Standards halten) einführen würden. Dazu käme die Lösung einer robots.txt in Frage.

Wir sind uns bewusst, dass wir Menschen hier als Leser haben möchte und keine Roboter, Spider und automatische Suchmechanismen. Doch ist es eine Tatsache, dass Google und Konsorten Leser hierher führen. Deswegen wollen wir diese Suchtools nicht überbewerten – wir sind ja keine SEOs – aber einen gewissen Stellenwert nehmen sie bestimmt ein. Und den sollen sie hier auf der BB bekommen. Nun sind wir aber gespannt auf Eure Ansichten und Eindrücke!

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Autoren und Quellen ohne Inhalte

Vielleicht stellen Sie einmal folgendes fest:

Sie wählen einen Autor oder eine Quelle an, und bekommen dann mitgeteilt, dass dazu kein Text aggregiert worden ist. Das ist kein Fehler, sondern eine Art “Versprechen” ;-) :

Es bedeutet, dass Autor und Blog schon ins System aufgenommen wurden (die Autorin also schon ihr Einverständnis erklärt hat) und ein Text ausgewählt, aber noch nicht freigeschaltet wurde.

Nun können Sie ja daselbst schon mal schmökern und sich überlegen, welcher Text das sein wird? Eine Art Gesellschaftsspiel mit der Zeit, wer weiss?

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Echo: Qualität auf Dauer

Aus einem Mail an uns:

Frag’ mich im Moment einfach nicht, wie man das dauerhaft halten kann, denn ich denke, ohne Eure tolle Arbeit herablassend beurteilen zu wollen, der Anfang ist einfacher, als der Dauerbetrieb.

Keine Frage. Und ich weiss es auch noch nicht. Aber: was ist denn eigentlich die Gefahr?

Sicher nicht die, dass es nicht genügend gute Texte gibt.

Nein. Die Gefahr liegt nur bei uns. Wir könnten versucht sein, um den grossen Anfangserfolg auf jeden Fall am Kochen zu halten, schnell oder schneller neue Texte aufzuschalten. Es liegt also nur an uns, damit leben zu können, dass der Wecker der Neu-Einträge nicht jede Stunde brummt. Übrigens ist es nicht so, dass wir keine Vorschläge erhalten. Es ist auch nicht so, dass wir alle ablehnen würden. Aber wir erhalten auch viele Mails, die sind oft positiv, wie dieses Beispiel. Aber sie enthalten auch Fragen, Kritik, Anregungen. Erstaunlich und schön, dass nicht nach einem oberflächlichen Urteil gleich gebloggt, sondern mal nachgefragt wird. So kann man sich erklären. Und dafür wollen wir uns immer auch Zeit lassen. Auch “nach innen”, eben in Mails.

Wir sind mit den bisherigen Reaktionen sehr happy und danken allen für Ihren Input.

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Die Krux mit den Lebenshilfen

Eine unserer Kategorien trägt die Überschrift “Reflexion”.  Es steht da nicht “Spiritualität” noch “Religion(en)” noch “Lebenshilfe”. Und zwar ganz bewusst.

Selbst Blogger und Mensch, der sich immer wieder mit solchen Themen beschäftigt, ist für mich diese Kategorie nur sehr weit gefasst denkbar. Denn ich will hier keine Privatveranstaltung für meine ganz persönliche Horizonterweiterung installieren noch irgendwelche Menschen einer Glaubensrichtung oder Yogapraxis vergraulen. Wir wollen ihnen aber auch keine Sonderplattform enrichten.

So kann man sich das also ausmalen und vorstellen. Und dann trudeln die ersten Texte ein, und Du merkst, wie schwammig dieser Boden unter den Füssen ist. Ich versuche es für mich mal vorläufig so zu halten:  Wenn der Text sich meiner Meinung nach aufrichtig um Lebenshilfe bemüht und sich dabei um Argumentation und genaues Beobachten nicht schert, ja, wenn er mich dazu animiert, genauer auf mich selbst und meine Hinsehen auf mich selbst zu achten, dann darf ich den Text in seinen Konklusionen auch in Zweifel ziehen oder ablehnen, ohne dass er deswegen nicht in Frage käme: Es geht, wie in der Rubrik “Meinung” nicht darum, dass ein Autor gleicher Meinung ist wie ich, wir oder Sie. Widerspruch darf und soll sein, und wer will, darf auch gerne streiten: Mit dem Autor auf dessen Blog – oder hier, wenn ihm die Verteilung unter den diversen Kategorien nicht gefällt. Es ist wie in einer Zeitung oder einer Bibliothek: Man wählt aus. Und sucht sich seine Perlen. Nur soll hier der Weg zur Bibliotheksleitung besonders kurz sein.

Ein solches Projekt zieht übrigens immer sehr schnell zu einem recht hohen Grad Texte von Blogs an, die Lebenshilfen anbieten wollen. Aus eigener Erfahrung, innerem Antrieb - oder gar mittels Kursen. Letzteres habe ich wahrscheinlich zuwenig bedacht: Was machen wir mit guten Texten auf Blogs, die z.B. spirituelle Kurse anbieten? Erster Reflex: Ablehnen natürlich. Schnelle Gegenfrage: Und was ist mit Blogautoren, die auf ihrer Seite ihre Bücher anpreisen?

Kurzes Bedenken, vorläufige Antwort: Da diese Bibliothek Schreibtalent und Erfüllung im Schreiben unterstützen will, wird sie auch nichts dagegen haben, wenn sie mit dem Verlinken der Texte den Verkauf von dessen Büchern fördert. Und wie sieht es mit Amazon-Bücherlisten und dergleichen aus?

Ich finde zwar öffentlich präsentierte Amazon-Bücherwunschlisten eher peinlich, aber so lange sie wirklich private Interessen spiegeln, ist das für mich okay. Heikel wird es oft auf sehr schnell auf Esoterik-Blogs:

Sind die seitlich auf Blogs präsentierten Bücher von Yoga-Lehrern etc. Marksteine einer persönlichen Entwicklung oder eine Bücherreihe, mit der der Blogautor eine geschäftliche Verbindung hat? Und was spielt das für eine Rolle? Es spielt eine. Denn die Blogbibliothek will das individuelle Schreiben fördern, verfolgt keine kommerziellen Ziele und will sich auch nicht zum Handlanger einer Geschäftsidee machen. Wir werden hier also genau hinschauen müssen. Für eigene Meinungen und Anregungen sind wir dankbar. Sollten einzelne Texte in dieser Richtung befremden auslösen, so bitten wir um Mitteilung. Auch hier werden wir einen feinen, sauberen und transparenten Weg finden.

Einfacher finde ich meine Haltung zu jenen Heilsbringern, die eigene Kurse über das Blog anbieten: Da muss ein Text schon ganz verflixt gut sein, sonst geht das nicht. Und Widerspruch in diesem Bereich werden wir ganz besonders ernst nehmen.

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Vom immer falschen Moment

Sie kennen das sicher, diese saublöde Formulierung, wenn der Fussballkommentator meint, das Gegentor kurz vor der Pause fiele im “denkbar ungünstigsten Moment, so kurz vor der Halbzeit”.

Ich kenne keinen Trainer, der für ein Gegentor einen günstigen Moment nennen könnte. Und so ist es eben auch mit den Unwägbarkeiten des Lebens. Es gäbe sicher günstigere Zeitpunkte für uns, als gerade jetzt im Grunde ins Bett zu gehören, und zwar auch tagsüber, statt justament nun eine Theaterproduktion mediengerecht durch die Generalprobe und die ersten Aufführungen zu begleiten. Es gäbe auch gelungenere Timings, als ausgerechnet jetzt Würmern in Computersystemen im Geschäft nachzuspüren, die nicht mal die ganz grossen Wurmbehandler der Kasperskys und Schimanzkis oder Symantecs oder wie sie heissen mögen, schon irgendwo gesehen haben, aber “uns” sind sie natürlich ins Netz gegangen, oder wohl eher umgekehrt. Und ich hatte schon Zeiten, wo ich weniger Internetseiten laden und Mails schreiben musste (nein, wollte!), als in diesen Tagen, in denen meine Kiste zur lahmen Ente geworden ist, weil irgend ein Windows-Update die Datenautobahnen zum Saumpfad hat schrumpfen lassen.

Na ja, wie gesagt: Shit happens. Und unter dem Strich ist es nur eine Art Lakmus-Test für die Grundvorgabe, die wir formuliert haben:

Wir geben uns Zeit, wenn wir sie brauchen. Wir teilen unsere Kräfte ein. Wir vertrauen darauf, dass weniger auch mal mehr sein kann, wenn es mithilft, die Ziele nicht zuverwässern, Kritik zu bedenken, Verbesserungen vorzunehmen, Mails zu beantworten und Schlaf zu finden.

Es hat toll begonnen, und es ist faszinierend, zu erfahren, was wir alles richtig bedacht haben – und was nicht. Das gehört alles genau so dazu, und wir werden wohl noch ein paar Fehler machen. Dennoch werden wir am Sonntag zusammen mal einen kurzen Moment feiern, und ein Gläschen heben auf Sie Alle. Denn ohne von Ihnen zu wissen, hätten wir diesen Raum nie gemietet und ausgestattet, und ohne Ihr Kommen wäre er nicht interessant.

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Die öffentliche Diskussion von ablehnenden Entscheiden

Gut, haben wir diese Situation zu so frühem Zeitpunkt und in einer guten, ruhigen Atmosphäre.

Ein Autor hat uns einen eigenen Text vorgeschlagen, den ich abgelehnt habe. Dabei habe ich dies mit ein paar Sätzen begründet, wobei ich bezüglich der Person des Schreibenden anregte, mehr die Ich-Form als die man-Form zu benutzen.

Der Autor nahm dies zum Anlass, einen Kommentar zu verfassen, in dem er den Mail-Verkehr zwischen uns kopierte, eine Meinung eines Freundes beifügte und zum Schluss eine öffentliche Diskussion darüber in seinem Blog wünschte, indem er den Kommentar mit der Frage schloss: Und was meinen Sie, liebe LeserInnen und Leser.

Der Kommentar ist sehr höflich und völlig neutral abgefasst und lässt mich in keiner Weise vermuten, der Autor wäre besonders verärgert über meine Ansicht, zumal die Zweitmeinung des Freundes durchaus in eine ähnliche Richtung geht. Er sieht ganz offensichtlich einfach die Gelegenheit, ein ihm dringendes Problem seines Schreibens mit uns allen diskutieren zu können. Hier meine Stellungnahme zu diesem Problemkreis ganz allgemein:

Wir sind keine literarische Schreibwerkstatt. Die Bereitschaft, die Beweggründe für eine Ablehnung eines Textes zu kommunizieren, hat mit dem Respekt vor dem Werk eines Verfassers oder dem Engagement einer Person, die sich die Mühe macht, Empfehlungen zu geben, zu tun. Es ist nicht die Einladung zu einem Diskurs über die Meinung. Dafür fehlt schlicht die Zeit.
Sollte sich jemand persönlich betroffen fühlen, weil ich oder einer meiner Kollegen eine unangemessene Formulierung wähle, so darf er mir das gerne zum Vorwurf machen und nochmals entsprechend schreiben.

Im hier geschilderten Fall wurde aus einem Mail zitiert, mit dem ich die Ablehnung begründet habe. Weiter wird in diesem Kommentar eine Person aus einem zweiten Mail wortwörtlich zitiert, ohne dass ich weiss, ob dies im Sinn dieser Person ist. Ich habe keine Lust, erst nachzufragen, ob dem so wäre. Aber die Veröffentlichung hier geht auch aus einem weiteren Grund ganz prinzipiell nicht:

Wenn wir hier die Veröffentlichung von Mails dulden, mag es in diesem Fall auch vom User gewünscht werden – so darf sich jeder weitere Benutzer des Portals fragen, wo denn die Schmerzgrenze für uns liegen möge, um einen Austausch per Mail, den er mit uns führt, unsererseits offen zu legen. Ich habe keinerlei Problem damit, zu meinen Beurteilungen zu stehen – und auch nicht zur Art, wie ich sie formuliere. Die Reflexion über das eigene Schreiben muss aber jeder Blogger mit seinen Lesern auf seinem Blog anstreben, wenn er eine solche denn öffentlich führen will.

Wie ich sehe, hat der Autor genau das getan und seinen als Kommentar verfassten Text schon in seinem Blog veröffentlicht. Für mich ist das – in meiner “öffentlichen” Funktion, in der ich über die Aufnahme von Artikeln entscheide – kein Problem. Bei privatem Mailverkehr sieht das ganz anders aus, aber ich gehe mal davon aus, dass dies auch dem Autor bewusst ist. Wer uns an und für die Blogbibliothek schreibt, an welche Mailadresse auch immer, darf sicher sein, dass seine Botschaften nicht in der Öffentlichkeit landen.

Wenn die Auseinandersetzung mit Blogtexten zu Diskussionen auf den einzelnen Blogs führen, dann ist das eine mir durchaus willkommene Nebenwirkung dieser Initiative. Man mag da Fragen nach der richtigen Form stellen, Aufbau und Dramaturgie von Geschichten etc. diskutieren – oder dafür Schreibwerkstätten gründen oder besuchen. Dies ist alles in Ordnung, aber nicht der Sinn und die Aufgabe dieses Portals. Hier werden Texte ausgewählt, nicht redigiert, veröffentlicht, gelesen, oder gerne vor Ort kommentiert. Dort freuen sich die einzelnen Autoren auch über neues Lob oder anregende Kritik. Wir wollen nur Mittler sein – und im Einzelfall allenfalls eine Anregung geben oder einen Hintergrund erhellen, der zu einem ablehnenden Urteil führte. Und damit Respekt zeigen.

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Nachbemerkung:

Die Absicht, Ablehnungen begründen zu wollen, beruht vor allem darauf, dass wir den Blogscouts ein Gefühl dafür gebenn wollen, was wir denn suchen. Wenn wir nur ablehnen, verlieren diese einfach die Lust. Wir sind davon ausgegangen, dass mehr “fremde” Texte vorgeschlagen werden, statt Eigenproduktionen. Ganz offensichtlich verstehen sich die meisten Blogger mehr als Schreibende denn als Leser angesprochen, und letztere, die nur lesen, sind noch ein wenig zurückhaltend. Das wird sich aber sicher noch geben und dazu führen, dass wir bei hohem Aufkommen von Anträgen Fremd-Empfehlungen zuerst beurteilen können. Um so schöner wird es für Blogger sein, wenn sie vielleicht auf diesem Weg von neuen LeserInnen des eigenen Portals erfahren, oder von bekannten unterstützt werden – Voraussetzung aber soll immer eine gewisse Qualität des Textes sein. Und diese Praxis wird auch dazu führen, dass schon gelistete Blogs von mehr Lesern nach weiteren Perlen durchsucht werden – denn aus jedem Blog werden Empfehlungen von allen Leserinnen und Lesern geprüft.

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Blogger müssen auch wieder wirklich Leser werden

Ich werde nun bewusst einmal ein bisschen provokativ:

Ein Hauptproblem der Bloggerszene ist, dass sie furchtbar selbstbezogen ist:

Die meisten Nennungen anderer Blogs in eigenen Artikeln, die meisten Verlinkungen in Blogrolls tragen als Kern ihrer Motivation die Erwartung in sich, dass die Beachtung am Ende auf einen selbst zurückfällt. Link erzeugt Gegenlink. Grundsätzlich ist dagegen nichts zu sagen. Ja, man kann konstatieren: So funktionieren Blogs, so ist die vernetzte Welt der Blogs entstanden, so verbreiten sich Neuigkeiten aus der Bloggerszene im Netz. Was wahr ist und Teil einer faszinierenden Dynamik, ist gleichzeitig das Problem: Die Szene verspinnt sich zum engen, nach innen gerichteten Kokon.

Dass hier in dieser Phase vor allem eigene Texte vorgeschlagen werden, ist völlig okay. Auch baut dieses Portal ja durchaus auch auf den Möglichkeiten und der Motivation der Verlinkung auf. Genau so wie die ganze Szene braucht die Blogbibliothek aber eine Öffnung:

Auch Blogger müssen sich wieder mehr als Leser begreifen, müssen guten Text achten und fördern (und an neuen Orten suchen), auch ohne Eigeninteresse – und sich so auch im eigenen Schreiben wieder mehr befreien. Wie viel Energie verbrauchen wir selbst, nur um in unserem eigenen Blog zehn Leser mehr zu bekommen? Wann empfinden wir wirklich Befriedigung beim Schreiben?

Ich hoffe sehr, dass sich die Bloggerinnen und Blogger der Blogbibliothek auch wieder mehr selbst als Leser erfahren, und erkennen, dass eine Hinwendung zu einem Text als einfacher Leser eine sehr edle, feine Sache für die eigene Psychohygiene ist – und dann hinzustehen und zu sagen:

“Ich, der Meier Max, finde diesen Text von Frau Wunderlich wunderbar.”

Darin, ein gutes Buch zu empfehlen, einen Text ans Licht zu bringen, liegt eine Tat, die unsere Welt feinsinniger, reicher macht. Und auch wenn es nur ein kleinster Teil der Welt ist, so ist es doch jener, in dem wir überhaupt die Möglichkeit haben, unsere Erfahrungen zu teilen.

So können Blogger, die selbst wieder zu Lesern werden, mithelfen, die enger gewordene Welt der Blogs wieder zu weiten.

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