Werte und bewerten
Ganz bewusst wollen wir hier auf ein klassisches Bewertungssystem, wie man es an allen Orten in der Web 2.0 Welt finden kann, verzichten. Das heisst aber nicht, dass die Inhalte in unserem Portal wertfrei wären – im Gegenteil. Sie sind von unseren Scouts und durch uns sorgfältig ausgesucht. Es sind Perlen im grossen Dschungel der Blogs.
Die Texte stehen da und laden ein zum Lesen; vielleicht auch dazu, um noch mehr davon zu sehen. In unserer Bibliothek, in der es gemütlich und ruhig ist, vielleicht ab und zu einmal etwas lauter sein darf, dort, wo man Zeit findet, um zu Lesen, wo sich die Musse ausbreiten kann und man Lust verspürt, sich hinzusetzen und zu verweilen und sich zu vertiefen, dort sind Bewertungssysteme einfach zu simpel, zu oberflächlich, als dass sie wiedergeben könnten, welchen tatsächlichen Wert die Texte für die einzelnen Leser bedeuten.
Würden wir ein klassischen Bewertungssystem einführen, gäben wir den Mechanismus dieser Bibliothek, also die Funktionsweise, die Möglichkeiten zum Stöbern und Finden, aus der Hand und überliessen sie einem mitunter willkürlich wirkendem System. Das wollen wir nicht. Deswegen bilden wir nicht einmal die Anzahl Zugriffe auf die einzelnen Beiträge ab, weil das bereits eine sanfte Form der Bewertung darstellen würde.
Hingegen sind persönliche Bewertungen unumgänglich. Sonst liesse sich kein Wert finden. Diesen Ansatz wollen wir durchaus unterstützen und deswegen haben wir die Idee vom Flashfrog bezüglich der Favoriten sehr gerne aufgenommen. Auch wenn wir der Meinung sind, dass jene Favoriten nur unter bestimmten Umständen öffentlich zugänglich sein sollten, denn damit würden wir ja bereits wieder eine Grundlage zur Bewertung bieten.
Wichtig scheint mit, dass wir den Fokus der Grundidee nicht verlassen und dennoch offen für neue und andere Ideen sind. Wir verstehen uns als Enabler und nicht als Diabler. Darum nehmen wir jede Idee gerne auf und prüfen sie im Kontext unserer Philosophie. Und vielleicht prüfen wir dereinst auch unsere Philosophie. Nichts ist beständiger als der Wandel.


10. Januar 2009 um 20:11 Uhr
“Nichts ist beständiger als der Wandel”.
Ja. Im Internet wohl besonders. Aber genau das wird auch hier die Herausforderung sein. Beliebig und mal Hüsch mal Hott wird es hier nicht zugehen. Wir werden kleine Schritte machen. Dass wir einen ziemlich dicken Schädel haben, soll allerdings nie einen Egotrip erleichtern, sondern im Sinne von Leserinnen und Lesern sein.
Du hast eine wunderbare Grundlage geschaffen, sage ich jetzt mal, und der werden wir hübsch Sorge tragen.
11. Januar 2009 um 13:50 Uhr
@Yoda: Ich meine “Bewertung” auch nicht im Sinne von Schulnoten oder Leistungsnachweis.
Freut mich, dass ihr erwägt, die Idee mit den persönlichen Favoriten aufzunehmen.
Wer Beiträge für die Bibliothek vorschlägt, hat sie ja bereits bewertet und für vorschlagenswert befunden. Indem ihr eine Auswahl unter diesen Vorschlägen trefft, also bestimmte Beiträge zulasst und andere aussschliesst, bewertet ihr nochmals. Die Grundidee dieser Bibliothek ist also bereits eine der Bewertung. (Macht euch auf Diskussionen über die Auswahlkriterien der “Perlen im Dschungel” gefasst…
)
Die Frage ist, ob und in wie weit ihr auch euren Lesern die Möglichkeit zu einer Bewertung einräumen möchtet. Aber das ist natürlich allein eure Entscheidung.
11. Januar 2009 um 13:58 Uhr
@flashfrog: Aus meiner Sicht hast Du das richtig erkannt, eine persönliche, diffizile Bewertung findet immer statt. Da ist ja die Grundlage, um überhaupt Werte zu finden. Und die liegt natürlich auch diesem kleinen Projekt zugrunde, wie Du es bereits geschrieben hast.
Die Frage ist einerseits, wieweit will man Bewertungen auf bereits Bewertetem ermöglichen und anderseits drängt sich die Frage auf, ob ein solcher Mechanismus, der ja dann auch zu einer Art Ranking führen könnte, das Richtige für diese gemütliche Stube ist.
Ja, und im nächsten Punkt liegst Du wohl auch richtig: Die Diskussion um die Werte und Bewertungen in diesem Haus werden uns wohl immer begleiten
11. Januar 2009 um 16:53 Uhr
Bleiben wir doch beim Bild der Bibliothek: Diese stellt einen Grundstock an Büchern zur Verfügung, sie versucht, verschiedenste Bedürfnisse damit zu befriedigen und den Besuchern Fundstücke zu bieten. Benutzer können – meistens – nach Titeln fragen und anregen, was angeschafft werden soll. Hier ist das auch möglich, und zwar sehr direkt – durch die Funktion des Scoutings. Ja, eine Wertung nehmen wir alle immer wieder vor. Sobald wir lesen. Vergleichen. Unsere Wertungen können nie an den Lesern vorbei gehen. Sonst sitzen wir hier sehr einsam. Wir können uns aber die Freiheit nehmen, Texte zu berücksichtigen, ja sogar ein wenig zu pushen, die nicht im Mainstream liegen. Eine Bibliothek hat Nischen. Abteilungen. Schwerpunkte. Und sie wird von den Bibliothekaren durch eigene Auswahl gestaltet.
Und so werden auch wir genau darin bewertet. Mit Applaus belohnt oder mit Kritik – oder Nichtwiederkommen – quittiert. Und das ist gut so. Vor allem dann, wenn wir angesprochen werden mit Lob und Tadel.
Eine automatisierte Bewertung, ein System der Benotung über Kommentare etc. lässt einen fein aus dem Schneider sein und generiert Clicks. Viele Clicks vielleicht gar. Aber damit opfert man die Seite einer Eigendynamik, die sich nicht mehr einer inhaltlichen Zielsetzung verschreibt – und man fördert die Bildung von Klüngeln unter den Usern. Und das ist genau diese Form von Community, die wir NICHT wollen.
Die Motive für die Auswahl müssen bei uns bleiben. Wenn wir z.B. wollen, dass etablierte Blogger ganz bewusst neben Unbekannten stehen, müssen wir entsprechend agieren, ein wenig steuern. Wir werden damit Cracks abschrecken, die sich in einem Eliteclub wähnen möchten, aber dafür andere, die durchaus auch fördern wollen, zusätzlich motivieren. Usw. usf.
Wir werden gefordert sein. Sofern wir überhaupt getestet werden…