Eine unserer Kategorien trägt die Überschrift “Reflexion”.  Es steht da nicht “Spiritualität” noch “Religion(en)” noch “Lebenshilfe”. Und zwar ganz bewusst.

Selbst Blogger und Mensch, der sich immer wieder mit solchen Themen beschäftigt, ist für mich diese Kategorie nur sehr weit gefasst denkbar. Denn ich will hier keine Privatveranstaltung für meine ganz persönliche Horizonterweiterung installieren noch irgendwelche Menschen einer Glaubensrichtung oder Yogapraxis vergraulen. Wir wollen ihnen aber auch keine Sonderplattform enrichten.

So kann man sich das also ausmalen und vorstellen. Und dann trudeln die ersten Texte ein, und Du merkst, wie schwammig dieser Boden unter den Füssen ist. Ich versuche es für mich mal vorläufig so zu halten:  Wenn der Text sich meiner Meinung nach aufrichtig um Lebenshilfe bemüht und sich dabei um Argumentation und genaues Beobachten nicht schert, ja, wenn er mich dazu animiert, genauer auf mich selbst und meine Hinsehen auf mich selbst zu achten, dann darf ich den Text in seinen Konklusionen auch in Zweifel ziehen oder ablehnen, ohne dass er deswegen nicht in Frage käme: Es geht, wie in der Rubrik “Meinung” nicht darum, dass ein Autor gleicher Meinung ist wie ich, wir oder Sie. Widerspruch darf und soll sein, und wer will, darf auch gerne streiten: Mit dem Autor auf dessen Blog – oder hier, wenn ihm die Verteilung unter den diversen Kategorien nicht gefällt. Es ist wie in einer Zeitung oder einer Bibliothek: Man wählt aus. Und sucht sich seine Perlen. Nur soll hier der Weg zur Bibliotheksleitung besonders kurz sein.

Ein solches Projekt zieht übrigens immer sehr schnell zu einem recht hohen Grad Texte von Blogs an, die Lebenshilfen anbieten wollen. Aus eigener Erfahrung, innerem Antrieb - oder gar mittels Kursen. Letzteres habe ich wahrscheinlich zuwenig bedacht: Was machen wir mit guten Texten auf Blogs, die z.B. spirituelle Kurse anbieten? Erster Reflex: Ablehnen natürlich. Schnelle Gegenfrage: Und was ist mit Blogautoren, die auf ihrer Seite ihre Bücher anpreisen?

Kurzes Bedenken, vorläufige Antwort: Da diese Bibliothek Schreibtalent und Erfüllung im Schreiben unterstützen will, wird sie auch nichts dagegen haben, wenn sie mit dem Verlinken der Texte den Verkauf von dessen Büchern fördert. Und wie sieht es mit Amazon-Bücherlisten und dergleichen aus?

Ich finde zwar öffentlich präsentierte Amazon-Bücherwunschlisten eher peinlich, aber so lange sie wirklich private Interessen spiegeln, ist das für mich okay. Heikel wird es oft auf sehr schnell auf Esoterik-Blogs:

Sind die seitlich auf Blogs präsentierten Bücher von Yoga-Lehrern etc. Marksteine einer persönlichen Entwicklung oder eine Bücherreihe, mit der der Blogautor eine geschäftliche Verbindung hat? Und was spielt das für eine Rolle? Es spielt eine. Denn die Blogbibliothek will das individuelle Schreiben fördern, verfolgt keine kommerziellen Ziele und will sich auch nicht zum Handlanger einer Geschäftsidee machen. Wir werden hier also genau hinschauen müssen. Für eigene Meinungen und Anregungen sind wir dankbar. Sollten einzelne Texte in dieser Richtung befremden auslösen, so bitten wir um Mitteilung. Auch hier werden wir einen feinen, sauberen und transparenten Weg finden.

Einfacher finde ich meine Haltung zu jenen Heilsbringern, die eigene Kurse über das Blog anbieten: Da muss ein Text schon ganz verflixt gut sein, sonst geht das nicht. Und Widerspruch in diesem Bereich werden wir ganz besonders ernst nehmen.